Der Spiegel der Gesellschaft


Kapitel 1 - Let's Go!

Chris ist 19 Jahre alt und macht zur Zeit eine Ausbildung zum Heizungsbauer und ist im 2. Lehrjahr. Wie jeder weiss, sind Lehrjahre ja bekanntlich keine Herrenjahre. Das bekommt Chris regelmässig auf gut deutsch gesagt mitten in die Fresse zu spüren. Egal wer etwas falsch macht, Chris ist an allem Schuld. Michael, sein Geselle, hat vor 2 Wochen die Rohre auf dem Firmen-Bulliden nicht ausreichend gesichert und sorgte so für eine unglaubliche Zurschaustellung geistiger Inkompetenz. Der Chef kochte vor Wut und für ihn war klar, das konnte ja nur einer sein - Chris. Mit dem stimmt ja sowieso etwas nicht. So oft wirkte er nach dem Wochenende wie ausgewechselt. Seltsame Entgleisungen mit Mund und Augen, ständiges Zwanghaftes Lippen lecken, schwarz unterlaufene Augenringe und irgendwie abwesend. Die Arbeitskollegen treiben die Gerüchteküche voran wie Viehtreiber und er ist das Lieblingsthema der dummen Lästereien von seinen ignoranten Kollegen. Chris weiss haargenau was läuft aber steht darüber und anstatt sich auf die Provokationen einzulassen, schweigt er, dreht sich rum und lächelt. Das ärgert sie viel mehr. Doch nun erstmal genug zu unserem ersten Protagonisten. Sein bester Freund und Leidensgenosse Tommy ist 20 Jahre alt. Er und Chris sind mehr als Freunde, sie sind Brüder. Gemeinsam führen sie ein Doppelleben. Tommy ist im guterbürgerlichen Spiessertum bei einer Werbeagentur angestellt. Aber anstatt seine Ideen in Kunstwerke der Werbewelt zu verwandlen, wartet er fast schon verzweifelt auf seine Beförderung. Aktuell arbeitet er in der Versandabteilung und erledigt Tag für Tag die immer wiederkehrenden monotonen Dinge, die ihn immer mehr abstumpfen lassen. Die beiden führen aber jenseits von moralischen Ideologien und den Zwängen der Gesellschaft ein Doppelleben. Hier fühlen sie sich wirklich frei, hier zählen weder Statussymbole, noch die gesellschaftliche Stellung. Hier sind alle gleich und man kann sich vollkommen gehen lassen. In den folgenden Blogeinträgen haben sie die Möglichkeit eine andere Welt kennen zu lernen. Sie haben die Möglichkeit sich die Augen für eine etwas andere Art zu leben öffnen zu lassen und zu verstehen warum sich Leute entscheiden ein solches Doppelleben zu führen. Einige Sachen wirken mit Sicherheit befremdlich und seltsam, aber wer bereit ist sein bewusstsein zu erweitern und die Dinge klarer zu sehen, wird vielleicht seine Meinung ändern. Freitag - Abend 18:00 - Endlich Wochenende! Darauf haben Chris und Tommy seit dem letzten Wochenende mit Sehnsucht gewartet und jetzt ist die Freude gross, da man kurz vor dem Kickstart ist. Kickstart, so nennen die beiden das Warmup, bei dem sie versuchen auf dem schnellsten Weg sich so zu berauschen das man den Schalter von Alltag auf Abfahrt umlegt. Halbe stunde fertig machen und dann fährt Chris mit der U-Bahn zu Tommys Wohnung im 3. Stock eines Kreuzberger Plattenbaus im Herzen von Berlin. Kaum angekommen liegen bereits Mischung fürs Bong rauchen und sauber und fast schon liebevoll kredenzten Amphetamin Lines. Tommy nennt seine Bong liebevoll dicke Berta. "Sie macht mich immer so schönen fett." gackerte Tommy mit gehässigem Ton als er gerade den dichten, gelben Qualm den er beim kicken der Bong in seine Lungen zog mit knallroten Augen wieder herauspresste. Aus dem auf halber Lautstärke laufenden Soundsystem dröhnt das neueste Meisterwerk ihres Idols Paul Kalkbrenner. Während Chris sich über eine fingerdicke Line hermachte, kam ihm ein Geistesblitz:" Ey Tommy Junge ich hab grad ne fette These aufgestellt." "Du schon wieder!" gröhlte Tommy lachend ." Ne mal ohne Witz, denk mal drüber nach wie sehr sich unser Bewusstsein durch die Es (XTC Tabletten) erweitert hat. Beim feiern siehste nie Stress und jeder hat sich lieb. Zwar nur bekloppte aber die liebsten Menschen. Was wäre, wenn die Menschheit einfach mal durch MDMA lernt was Gemeinschaft und Toleranz wirklich bedeuten. Ich denke das damals, als die Versuche bei der Psychotherapie mit MDMA gemacht worden, die Bonzen und Lobbyisten das Potenzial dieses Wirkstoffs erkannten und ihnen klar wurde, das damit die absolute Kontrolle über die Bevölkerung flöten geht. Man könnte die Menschen nicht weiter für dumm verkaufen. Die Reichen pissen auf uns und die Medien verkaufen es uns als Regen. Denk mal drüber nach!" "Das ist so dermassen scheisse das es schon wieder genial ist, aber jetzt hab ich von dem ganzen Lobgesängen tierisch Lust bekommen wieder abzudrehen!" prustete Tommy während er ein Packet mit ca. 10 blauen Pillen mit Mitsubishi Aufdruck darin aus der Tasche fingert. Schnell hatten beide 2 geklinkt und als die Wirkung einsetzte, begann ein Schauspiel der besonderen Art. Sie nennen es Verbaldiarrö und ihre Kreativität kennt keine Grenzen. Schamgefühl kennen die beiden nicht, nichts ist ihnen zu peinlich. Sie geniessen es, wenn die Leute verwundert schauen oder blöd gaffen. Sie tauchen in eine Welt ein, die für sie Freiheit heisst. Es ist ihr Druckausgleichventil, wo sie Dampf ablassen und den Alltag vergessen. Sie tun keinem was böses und bauen keine Scheisse, begehen ein Verbrechen ohne Opfer. Sie lösen sich von allen Zwängen und haben ihren Spass. Ja, sie nehmen Drogen, aber trotzdem bekommen sie es auf die Reihe ein normales Leben zu führen und zu arbeiten. Dennoch sind sie gezwungen ein Doppelleben zu führen, was ironischer Weise wie Licht und Schatten ist. Das Licht steht hierbei für die klopfende Hand auf der eigenen Schulter, als Annerkennung für den Beitrag zur Gesellschaft den man Tag für Tag leistet. Der Schatten steht zum einen für die Dunkelheit, da sie sich selbst gerne auch als "Nachtaktive Feierkinder" bezeichnen. Zum anderen auch dafür das sie die Schatten der Gesellschaft sind, da der naiven Menschheit eingetrichtert wird, das alle Drogen einfach nur die Ausgeburt des Bösen sind und vehement mit allen Mitteln bekämpft werden müssen. Aber Tommy und Chris geniessen ihr Leben trotz allem in vollen Zügen und haben eine geile Zeit zusammen. Mittlerweile ist es 3 Uhr nachts und die beiden kommen auf die Idee verstrahlt bis zum geht nicht mehr mit dem Taxi in den Untergrund Minimal Club "Basssozial" zu fahren. Der Club ist ihr 2. Zuhause und hier sind sie eine grosse Familie, jeder kennt jeden und eine ganz entscheidende Sache schweisst sie noch ein bisschen mehr zusammen. Sie nehmen zusammen die verschiedensten Chemischen Drogen. Im Club angekommen begrüssten die Beiden den engsten Kreis und sofort wurde klar, heute wird die Party wieder richtig heftig. Schnell tauschte man sich aus wer welche Sorte E's dabei hatte und tauschte untereinander. Im Getümmel verloren Chris und Tommy sich wie immer aus den Augen und lebten in Gesprächen mit völlig fremden aber genauso verstahlten Ravern ihre Zustände aus. Dabei hatte man zu diesen eigentlich völlig fremden Menschen direkt einen Draht und begegnete sich, als würde man sich schon jahrelang kennen. Es liegt ein Gefühl der Gemeinschaft und Nächstenliebe in der Luft, was einen makabaren Kontrast darstellte, zum erhobenen Zeigefinger der "Keine Macht den Drogen" Moralapostel Heuchlerei. Nach einer hemmungslosen, aber geilen Nacht geht gegen 7 uhr morgens das Licht an und die Securitys fangen an die letzten Überbleibsel der Nacht rauszukehren. Wie immer an forderster Front - Chris und Tommy. Während man anfing sich soweit zusammen zu nehmen, das man halbwegs normal raus in die Wildnis torkelt. An der Gaderobe bildet sich dann wie so oft spontan eine kleine Gruppe von Gleichgesinnten die noch lange nicht genug haben. Heute gabelte man im Vorbeilaufen Marcel und Günni auf und fuhr mit dem Taxi zu Tommys Wohnung um dort die erste Afterhour des Wochenendes einzuläuten. Hier wird nun meist über die vergangene Nacht schwadroniert und sich köstlichst amüsiert über die kuriosen Gespräche und Momente die im vollends vernebelten Geist erhalten blieben. "Mischkonsum ist einfach das geilste!" flötete Günni als er die beeindruckende Verstärkung der MDMA Wirkung durch das Rauchen von Gras im Kopf anfing zu fühlen. Völlig versunken bemerkt Marcel das es plötzlich schon wieder Abend geworden ist und alle 4 schieben 20 Minuten einen gewaltigen Lachflash. Da man die letzten Stunden zusammen geaftert hat will man die Gruppe zusammen halten und einigt sich auf eine Fahrt zum "Tunnelwerk" nach Frankfurt, wo Format B an den Plattenteller drehte. Allen 4 war vollkommen bewusst was sie dort erwartet, Frankie und Rachel, die Keta-Connection, haben sich angekündigt. Kaum im Club angekommen fahren sie sich eine beachtliche Dosis Ketamin bei und lassen sich vollends gehen. Die Nacht ist mal wieder viel zu schnell vorbei und obwohl man eigentlich schon mehr als genug in sich reingedrückt hat, geht es nun immer noch nicht ins Bett. Die Motivation ist gross nocheinmal zusammen zu aftern. Diesmal geht es mit zur Dachgeschosswohnung der Keta-Connection, wo man bis zum späten Nachmittag komplett eskalierte und sich entgültig bis ans Limit verballert. Mittlerweile ist die Vernunft komplett ausgeblendet und Tommy, Chris, Marcel und Günni stiegen in Marcels Golf und fuhren unter dem Einfluss von haufenweise bewusstseinserweiternder Substanzen mit dem Auto von Frankfurt zurück nach Berlin. Die Fahrt, so waghalsig und dumm sie auch ist, kommt Ihnen weder falsch noch gefährlich vor, da es normal für sie ist, verballert zu fahren. Sie sind leichtsinnig und handeln ohne ihren Verstand zu benutzen. Das ist der bittere Beigeschmack, der in gewisser Art und Weise für die Moralvorstellung der Allgemeinheit spricht. Sie kommen gegen 10 uhr abends wieder in Berlin an und jedem einzelnen von Ihnen wird schlagartig klar, dass das Wochenende mal wieder zu schnell vorbei war und das man ja eigentlich einiges an Schlaf nachzuholen hätte. Allerdings nimmt jeder von Ihnen gerne in Kauf gerade einmal 6 Stunden zu schlafen und am nächsten Morgen immer noch verballert auf die Arbeit zu gehen, damit sie die Zeit im Ausnahmezustand in jeder kostbaren Sekunde in vollen Zügen geniessen und ausleben können.

16.6.13 06:44

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


kari (16.6.13 20:49)
Zur besseren Lesbarkeit sollte man schon abundzu mal Absätze einbauen. Ansonsten geht die Geschichte gut rein und freue mich auf das nächste Kapitel.

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