Der Spiegel der Gesellschaft


Kapitel II - Licht und Schatten

6 Uhr Montag Morgen - Pünktlich klingelt in Tommys und auch in Chris Schlafzimmer der Wecker. Eine grauenhaft grelle Melodie reisst die beiden brutal aus ihrem Alibi-Schlaf, der eigentlich kaum zur Erholung reicht. So schleppen sich beide immer noch verpeilt ohne Ende aus ihren Betten um wieder in den trostlosen Alltag einzutauchen. Fangen wir mit Chris an. Er hatte mit den Nachwirkungen schwer zu kämpfen. Immer noch sah er die Dinge aus einer vollkommen unrealen Sicht, aber steckt das weg, rafft sich auf, duscht, schüttet sich nen schwarzen Kaffee rein und raucht dabei 2 Zigaretten. Essen wird er so schnell nichts. Halbwegs gesammelt schlurft er zur Arbeit und kaum in der Firma angekommen, kommt der wie so oft schlecht gelaunte Chef, der Chris musterte und dabei die Nase rümpfte."Chris du fährst heute mit Mario Abwasser-Rohre tauschen, auf los. Ich weiss das es im wahrsten Sinne des Wortes Scheissarbeit ist, aber einer muss den Job trotzdem machen, also gar keine Widerrede.Gute Schicht!" Innerlich am brodeln dreht sich Chris um und geht zum Einsatzwagen. Dann fährt in Mario von der Seite an:" Wie siehstn du schon wieder aus? Meinste der Chef sieht das nicht du Idiot? Weil wir als Team agieren darf ich jetzt wegen deiner Scheisse richtig tief in der Scheisse wuhlen!" Da platzt Chris der Kragen und er geht fluchend aus dem Firmengebäude und versucht sich zu beruhigen, bevor er seinen Gesellen boxt. Er denkt direkt eine seinen Ruhepol - die elektronische Musik. Er setzt seine Sennheiser Kopfhörer auf und spielte einen Techno Track von Torsten Kanzler, der ihn innerhalb von Sekunden beruhigte, da er sich vom Groove ergreifen liess und inne hielt. Komplett beruhigt ging er wieder rein und sagte:" Es tut mir leid. Ich machs echt nie wieder." Mario winkte ab und wir fuhren in unserem scheiss Firmenbus auf eine scheiss Baustelle um im wahrsten Sinne des Wortes beschissene Arbeit zu erledigen. Aber um seinen Teil zur Gesellschaft beizutragen um die Erwartungen von Menschen zu erfüllen, deren Meinung Chris kein bisschen kümmert. Wenn er sich nicht weitesgehend so benimmt wie es von ihm verlangt wird, heisst es direkt wieder das sind die Drogen, die sind an seinem Verhalten Schuld tragen. Dabei ist das der einfache und bequeme Weg das ganze zu verunglimpfen. Wenn man aber das Ganze aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, muss man sagen das an seinem Verhalten nicht die Drogen Schuld sind, sondern ganz alleine er selbst. Eigentlich sind nicht Drogen das Problems, es gibt aber Menschen die denken das es ohne sie nicht geht. Die Droge an sich ist nicht das übel, sondern der Missbrauch und die Menschen die den Missbrauch begehen. Mehr als genug Menschen können mit dem Zeug nicht umgehen, weil sie den Hals nicht vollbekommen. Was immer über alledem steht ist, das Chris jede Entscheidung selbst trifft und deshalb auch jegliche Konsequenzen selber trägt. Das Ganze begleitete ihn im Hinterkopf bis er dann um 5 zuhause ankam, schnell duschte und ohne zu essen direkt ins Bett ging, um endlich Erholung zu finden. Nun kommen wir zu Tommy und seinem bösen Erwachen. Er fühlte sich wie ausgekotzt und spürte deutliche Nachwirkungen von dem Ketamin. "Scheiss Keta-Connection, hahaha!" verkündete er mir einem breiten zufriedenen Grinsen und sagte laut zu sich selber:"Alter Schwede, ich habs echt mal wieder übertrieben, Fuck! Ich muss dringend morgen mit Chris quatschen das wir uns mal zurückschrauben." Zurück auf seinem monotonen Arbeitsplatz begann er sofort wieder stupide Sortierarbeiten zu erledigen, bis plötzlich gegen 10 sein Chef höchstpersönlich zu ihm kam und mit bellender stimme schnauzte:" Sofort in mein Büro! Die Kacke ist jetzt aber richtig am dampfen! Du hast dein Finger jetzt entgültig im richtigen Loch!" Ich ahnte bereits das es eng werden wird. Kaum hatte ich die Tür hinter mir geschlossen bellte der wie ein Diktator wirkende Koleriker gefühlte 100 Schimpftiraden auf meine Unfähigkeit sich an gesellschaftliche Moralvorstellungen anzupassen."Den Becher vollmachen, du machst jetzt nen Drogentest. Wenn du ihn nicht machst ruf ich die Polizei, damit die ihn macht. Wenn du es freiwillig machst verlierst du nur deinen Job wenn er positiv ist!" Während er den Becher vollmachte hörte er den Diktator durch die Tür schreien und schimpfen, was er doch für ein hirnverbrannter Vollidiot sei und wie ein Junky vollgepumpt mit Drogen dort herumzulungern wo der Chef eine sehen kann. "Fuck!", schrie Tommy "Ich habs heut morgen begriffen und bekomm jetzt als Strafe für mein Verhalten und meine Dummheit bekomm ich nen Tritt mitten ins Gesicht! Fuck!" Der Test war natürlich positiv und Tommy wurde mit einem lebenslangem Hausverbot aus der Firma geschmissen. Sein Kopf immer noch vernebelt von der letzten Nacht bricht über ihm einfach alles zusammen. Er kanns nicht fassen, dass sein Ausgleich, den er ja jederzeit unter Kontrolle hatte, sein Lebeb kaputt macht und ihn vor die Scherben seiner Existenz stellt. Er steht vor dem Nichts und seine Perspektive hat sich innerhalb von Augenblicken in Nichts aufgelöst. Er ist arbeitslos und hat ein ernstes Drogenproblem, das ihm die Kontrolle entzogen hat. Er ist in einem solchen Masse in eine psychische Abhängigkeit gerutscht, dass nicht mehr er selber entschieden hat, sondern das die Droge in jeder Lage an erster Stelle steht.Es fing an mit nem bisschen Gras rauchen, wir redeten uns natürlich ein:"Kiffen ist keine Einstiegsdroge, Niemals Chemie!" Kiffen ist in den meisten Fällen eine Einstiegsdroge, nur das will man in dem Moment nicht wahrhaben. Viele Menschen reden sich ein, dass sie alles unter Kontrolle haben und verdrängen wie kaputt sie wirklich sind. Tommy suchte zuhause Rat in einem Selbsthilfeforum. Dort las er: "Murphys Gesetz" und musste ironischer Weise lächeln weil es so verdammt gut passt. Er suchte nach Antworten wie er genau anpacken soll diesem harten Weg zu gehen. Nach stundenlangem Lesen gab er genervt und verzweifelt auf und legte sich in sein Bett. Als er gerade zum Runterkommen eine doppelte Dosis Diazepam Tropfen einnahm, war der letzte Gedanke bevor er einschlief:"Morgen rede ich mit Chris und wir werden zusammen ne Lösung finden" Bei dem Gedanken hatte er allerdings dennoch den bitteren Beigeschmack, das er insgeheim daran zweifelt, ob er es wirklich schafft.

28.7.13 04:29

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